Gemeinsam mit seiner Frau Kerstin und seinen Kindern Jaqueline und Maurice sitzt er am Freitagabend in der Lohrer Feuerwache. Manchmal versagen dem 47-Jährigen die Worte, er ist sichtlich bewegt. Doch das, was er sagen will, kommt an. Uwe Endres will Danke sagen. Danke dafür, dass ihn die Feuerwehren Lohr und Neuhütten aus seinem Fahrzeugwrack gerettet haben.
Der Familienvater aus Johannesberg bei Aschaffenburg wurde bei einem schweren Verkehrsunfall lebensgefährlich verletzt.Es war der 21. Oktober vergangenen Jahres, der das Leben der Familie Endres mit einem Schlag verändern sollte. Gegen 19.30 Uhr war eine Mitsubishi-Fahrerin auf der B26 in Richtung Lohr unterwegs, als sie an einer Steigung kurz vor dem Bischborner Hof einen Sattelzug überholte. Dabei prallte sie mit einem entgegenkommenden VW-Bus zusammen. Durch den Aufprall drehten sich beide Fahrzeuge um 180 Grad, der VW-Bus überschlug sich und blieb auf dem Dach im Straßengraben liegen. Direkt hinter dem VW-Bus fuhr Uwe Endres mit seinem Passat. Er konnte nicht mehr rechtzeitig abbremsen und fuhr in das Heck des noch nicht zum Stillstand gekommenen Mitsubishi. Dabei wurde der Mitsubishi in die Höhe katapultiert, Uwe Endres’ Pkw schob sich regelrecht unter das Gefährt der Unfallverursacherin, die ebenso wie Endres lebensgefährlich in ihrem völlig demolierten Auto eingeklemmt wurde. Ein Großaufgebot von Feuerwehren und Rettungsdienst mit annähernd 100 Helfern waren damals vor Ort. Die Feuerwehren Lohr und Neuhütten waren unter Leitung von Kreisbrandinspektor Harald Merz für die Rettung von Uwe Endres zuständig.
Endres selbst erinnert sich an den Unfall nicht mehr, er war so schwer verletzt, dass er am Unfallort nicht mehr ansprechbar war. „Ich habe keinerlei Erinnerungen daran. Und das ist auch gut so. Ich habe keine Angst vor dem Autofahren“, erzählt er. Die letzten zwei bis drei Wochen vor dem Unfall sind aus seinem Gedächtnis ebenfalls völlig gelöscht.
Wie die Rettung vonstatten ging, das erzählen ihm an diesem Abend die Einsatzkräfte der Feuerwehr. „Wir arbeiten immer eng mit dem Rettungsdienst zusammen“, erklärt Harald Merz.
Der Notarzt entscheide dabei bei Unfällen stets, ob der Zustand des Patienten eine schonende, meist langwierige Rettung zulässt oder ob eine so genannte „Crash-Rettung“ notwendig ist, bei der der Verletzte so schnell wie möglich aus der Gefahrensituation befreit wird. „In ihrem Fall hat sich ihr Zustand verschlechtert und wir mussten eine Crash-Rettung durchführen“, zeigt Merz auf. Christian Huth von der Feuerwehr Neuhütten erinnert sich daran, dass zur Rettung die hintere Fahrertüre entfernt, der Fahrersitz in eine waagrechte Position gebracht wurde und Endres mit einem Spineboard aus dem Wrack gerettet wurde.
„Wir mussten plötzlich schnell handeln. Unser Glück war, dass sie im Fußraum nicht eingeklemmt waren.“ Anhand des Einsatzprotokolls informiert der Lohrer Kommandant Joachim Mantel, dass Endres nach der Erstversorgung im Rettungswagen zum Intensivhubschrauber gebracht wurde, der um 20.36 Uhr am Bischborner Hof gelandet war.
Dass ihr Mann den schweren Unfall überlebt hat, grenzt fast an ein Wunder, stellt seine Frau Kerstin fest und zählt die Verletzungen auf: Schweres Schädel-Hirn-Trauma mit Blutungen, zertrümmerter Lendenwirbel, viele Brüche im Gesicht. Mit den Folgen hat Endres immer noch zu kämpfen. „Die erste Woche in der Uniklinik bestand Lebensgefahr. Wir wussten nie, ob er den nächsten Tag erlebt“, sagt sie nachdenklich. Dann wendet sie sich an die anwesenden Einsatzkräfte: „Man kann es nicht in Worte fassen, was Menschen leisten, um jemanden zu retten. Die Feuerwehr hat unsere ganze Familie glücklich gemacht.“ Deshalb sei es der Familie ein Bedürfnis gewesen, sich persönlich bei den Rettern zu bedanken.
Auch die 15-jährige Tochter Jaqueline ergreift das Wort. Erzählt, wie sie ihren Papa am Tag nach dem Unfall zum ersten Mal gesehen hat, als er im Koma lag. „Zu sehen, dass er lebt aber auch wieder nicht, war sehr schlimm.“ Sie dankt allen Rettungskräften, „dass er noch lebt und ich ihn doch noch an meiner Seite habe“.Den Unfall hat Uwe Endres wie er sagt aufgearbeitet. „Meine Schutzengel und die Rettungskräfte haben mir mein Leben zum zweiten Mal geschenkt.“ Doch nun ist Geduld angesagt, erzählt er von seiner Reha in Bad Orb. „Der Unfall ist innerhalb von Sekunden passiert, aber nun dauert es Monate, bis alles wieder wird.“ „Es ist nicht üblich, dass jemand, dem wir geholfen haben, vorbeikommt und sich bedankt. Das finde ich ganz toll“, freut sich Mantel über den Besuch und der Lohrer Feuerwehrmann Steffen Weisensel ergänzt: „Wir machen unsere Arbeit, dafür sind wir ja da, um anderen zu helfen.“ Und Harald Merz formuliert treffend das Schlusswort: „Wir machen das alles ehrenamtlich. Und dieser Dank bringt uns wieder ein Stück weiter. Durch dieses positive Ergebnis wissen wir, dass wir unsere Freizeit sinnvoll und gerne opfern.“