Chronik der Feuerwehr Lohr Drucken E-Mail

Geschichte der Lohrer Feuerwehr
von Hans Nestmeier, 1990 aktualisiert von Heiner Schecher, Ehrenkommandant der Freiwilligen Feuerwehr Lohr, mit Ergänzungen von Josef Harth

Die Freiwillige Feuerwehr Lohr zählt zu den ältesten in Bayern. Die älteste, die Schweinfurter Feuerwehr, wurde 1854 gegründet. Schon in den ersten Besprechungen, die der eigentlichen Gründungsversammlung vorausgingen, war immer wieder die Rede davon, „man solle eine Feuerwehr gründen nach dem Vorbild der großen Städte wie Würzburg, Nürnberg oder Mannheim.“

Ein einziger Brand genügt, um sich der Bedeutung der Feuerwehr bewußt zu werden. Wenn auch Aufzeichnungen aus der „Feuerwehr-Vorzeit“ weitgehend fehlen, so können wir doch annehmen, daß unsere Urahnen einer Feuersbrunst nicht tatenlos gegenüberstanden. Ihr primitives Handwerkszeug dazu waren damals die ledernen Feuereimer, Butten, Fässer und so weiter. Heiratslustige Männer mußten erst einen Feuereimer auf dem Landgericht vorzeigen, um ihren „Kopulierschein“ zu bekommen.

Die älteste, gedruckt vorliegende „Spezial Feuer-Verordnung für die kurfürstlich-erzkanzlerische Stadt Lohr“ stammt aus dem Jahr 1804. Sie wurde erneuert und bestätigt durch das hohe Landesdirektions-Reskript vom 8. November 1805. Darin heißt es in Paragraph 1: „Müssen beide Stadtthürmer in ihren auf den Stadtthürmen habenden Wohnungen das ganze Jahr hindurch wachen, sowohl bei Tag als bei Nacht durch Anziehen der Stundenglocke ihre Wachsamkeit zu erkennen geben“. Bei einem Feuer in der Stadt mußte eine rote Fahne, bei Feuer in der Umgebung eine schwarze Fahne gezeigt werden. Bei Nacht war eine Laterne mit zwei Lichtern bei einem Brand in der Stadt, und mit einem Licht bei Bränden in der Umgebung aus dem Fenster zu hängen. Die Nachtwächter mußten bei Brandausbruch sofort „Lärmen“, Feuer rufen und durch Trommelschlag die ganze Bürgerschaft zur Hilfeleistung herbeirufen. Zur Alarmierung nachbarlicher Löschhilfe waren besondere Feuerläufer nach Sackenbach, Wombach, Rodenbach und Rechtenbach bestimmt. Jeder Haushalt sollte eine Bütte oder einen Zuber Löschwasser bereithalten und „die Herren Stadträthe haben genau und fleißig nachzusehen, ob der angeordnete Wasservorrath bei jedem Bürger vorhanden sey“.

Für die einzelnen „Bronnen“, am Hospital, am Rathaus, am Haus des königlichen Zollverwalters, am „unteren Thore“ und in der Vorstadt waren besondere „Bronnenmeister“ bestimmt. Die Gerätschaften bestanden damals aus zwei Schlauchspritzen, zwei Handspritzen, zwöLF Feuerleitern, acht Feuerhaken, zwei Rettungssäcken, einem „wollenen Kleide“ und 400 Feuereimern.
In langen Ketten gingen die Feuereimer von Hand zu Hand und wurden von den Leitern herab in den Brandherd geschüttet.

Am 1. Juli 1858 wurde vom Stadtmagistrat durch Bürgermeister Pfeiffer eine neue Feuerlöschordnung für die Stadt Lohr erlassen. In einem Anhang dazu ist die Feuerlösch-Mannschaft mit der stattlichen Anzahl von 289 Bürgern, namentlich aufgestellt und genau eingeteilt. Die Leitung hatte „Dirigent“ Anton Künzinger, Magistrats-Rath.

Für die „Wasser-Zubring-Maschine“ und die vier Feuerspritzen war je ein Magistratsrat als „Dirigent“ eingeteilt, dem je ein Trupp von 20 bis 30 Mann als Spritzenmeister und Gehilfen zugeteilt waren. Besondere Einsatztrupps waren bestimmt für Besorgung der Schläuche, Leitern und Eimer, Einstellen der Schützen in den Stadtkanal Anzünden der Pechkränze, ferner drei Feuerläufer und ein Feuer-Piquet der Landwehr mit Offizieren, Schützen und Füsilieren. Jedes neue Gemeindemitglied hatte zur Beschaffung und Unterhaltung der städtischen Löschgeräthschaften den Betrag von zwei Gulden 30 Kreuzern an die Stadtkämmerei zu zahlen. Daneben hatte er sich im Brandfalle aktiv zu beteiligen.

Eine erste Vorbesprechung zur Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr in Lohr fand am 18. Januar 1865 im Rathaus statt. Aus dem Protokoll, unterzeichnet von Rechtsrat Schiele, dem damaligen Bürgermeister, ist folgendes zu entnehmen: „... Nicht der Mangel an Arbeitskräften, nicht der Abgang an intelligenten und muthigen Männern - an denen es auch bisher bei Brandfällen niemals gebrach - sondern der Mangel einer größeren Disziplin und Ordnung und des Zusammenfassens der vorhandenen höchst schätzbaren Kräfte machte sich unter den bisherigen Zuständen fühlbar. Diesem Mangel abzuhelfen soll durch die Errichtung einer freiwilligen Feuerwehr angestrebt werden ...“
Die Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr wurde einstimmig als zeitgemäß notwendig begrüßt. Um die dem damaligen Zeitgeist entsprechende militärisch organisierte Feuerwehr einzurichten, wurde zuerst ein Ausschuss gegründet, dem neben dem Bürgermeister auch A. Reinhart, P. W. Alter, Jakob Hutzel, Eduard Rexroth, Max Michel und Adam Brand angehörten. Zwei Tage später wurde im Amtsblatt, dem Lohrer Anzeiger Nr. 9 ein Aufruf veröffentlicht, in dem erklärt wurde, dass „die Bildung eingeübter und organisierter Feuerwehren als Bedürfnis anerkannt“ wurden. Es wurde dazu aufgefordert, dass sich „Männer und Jünglinge hiesiger Stadt, welch in die zu bildende Feuerwehr als aktive Mitglieder eintreten wollen“, am Sonntag, 22. Januar, im Rathaus in eine Liste eintragen sollten. Auf Anhieb schrieben sich 78 Lohrer ein.

Bedenkt man, dass die Stadt Lohr nach der Unions-Volkszählung 1864 zum Stand 3. 12. 1864 lediglich 4103 Einwohner zählte, so hatten sich immerhin 1,9 Prozent aller (einschließlich der Kinder und Greise) freiwillig zum Dienst an der Feuerspritze gemeldet.

Um die vielseitigen Kosten und Aufwendungen für die zu errichtende Feuerwehr zu decken, wurde mit einem Aufruf eine Sammlung in der Stadt durchgeführt, die den Betrag von 305 Gulden und 46 Kreuzer brachte. Die Stadt selbst leistete einen ersten Zuschuß von 600 Gulden, die Münchener-Aachener Feuerversicherungs-Gesellschaft einen von 200 Gulden.

Somit war personell wie materiell eine Basis geschaffen und man konnte offiziell zur Gründung der Wehr schreiten. Sie fand in Form einer Generalversammlung am 20. Mai 1865 statt. Dabei wurden die Statuten und Dienstvorschriften genehmigt und dem Stadtmagistrat die Namen der Chargierten mitgeteilt. Den Kaufmann Max Michel wählte man zum ersten Kommandanten, zum Stellvertreter Eduard Rexroth. Als Führer wurden August Breitenbach, Carl Dietrich, Valentin Happ, Franz Kohler, Josef Wilhelm Harth und Peter Schadler bestimmt. Das Amt des Kassiers übertrug man Heinrich Kleinschrod, das des Zeugwartes Anton Hepp und Heinrich Schnabel. Die erste Übung fand am Sonntag, 1. Juli 1865, um 6.00 Uhr früh statt.

Es ist kaum noch vorstellbar, wie die Freiwillige Feuerwehr begann. Ihr standen neben Leitern, Beilen und Feuerhaken vier Feuerspritzen und fünf Handspritzen zur Verfügung.
Am 27. März 1871 richtete der damalige Kommandant Franz Mehling ein Schreiben an Bürgermeister Keßler, dass die Freiwillige Feuerwehr dringend ein eigenes Übungsgelände mit einem „Steigerhaus“ benötigte. Bei dem genannten Steigerhaus handelte es sich um einen Schlauchtrockenturm. Bürgermeister Keßler beauftragte den städtischen Bautechniker Neu mit der Planung auf dem Gelände der Gasfabrik zwischen der städtischen Anlage und dem Kaibach (heute alte Turnhalle Gärtnerstraße).

Der Kostenanschlag belief sich auf 1 300 Gulden; abgerechnet wurden 1 536 Gulden. Die Jahresrechnung der Stadt belief sich 1871 auf rund 114149 Gulden.
In zäher systematischer Arbeit mühten sich heimatbewusste Männer um den Ausbau der Wehr, um sowohl Ausbildung wie Ausrüstung zu vervollkommnen und im Ernstfall zur Hilfeleistung für ihre Mitbürger bereit zu sein.

Die Verbesserung der Ausrüstung wurde nie aus den Augen gelassen. Am 10. Oktober 1929 erhielt die Lohrer Wehr ihr erstes Motorgerät, eine 1 000-Liter-Motorspritze von Magirus, die noch viele Jahre nach dem Krieg eingesetzt wurde. Zur Geräteausrüstung gehörten noch zwei mechanische Leitern, zwei Hydrantenwagen, fünf Tragkraftspritzen und erforderliches Schlauchmaterial. 1943 kam dazu noch ein Löschfahrzeug (LF8) als Mannschaftswagen mit Tragkraftspritzenanhänger (TSA).

1936 wurde ein neues Feuerwehrhaus (Stadthaus) gebaut, das bis 1987 als Unterkunft diente und in der damaligen Zeit als vorbildlich galt.
Am 28. August 1939 wurde eine elektrische Alarmanlage (Alarmschleife) in Betrieb genommen, die eine schnelle Alarmierung der Wehrmänner ermöglichte. 16 „Alarmwecker“ waren fest in Häusern von Feuerwehrleuten installiert und wurden von der Polizei per Kurbelinduktor ausgelöst.
Daß zur Ausrüstung auch der nötige Ausbildungsstand vorhanden war, zeigt die Tatsache, daß die Lohrer Wehr 1939 bei einem Leistungswettkampf in Hammelburg unter rund 1 000 unterfränkischen Feuerwehren auf den fünften Platz kam.

Der Zweite Weltkrieg stellte in der Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Lohr einen markanten Einschnitt dar. Nicht nur die Belastung durch Ferneinsätze, sondern auch der Verlust vieler Feuerwehrkameraden war zu beklagen. Die Feuerwehr Lohr wurde von 1943 bis 1945 zu zahlreichen Ferneinsätzen gerufen, zum Beispiel nach Schweinfurt, Würzburg und Aschaffenburg, aber auch nach Nürnberg und Frankfurt.

Nach Abschluss der Kampfhandlungen 1945 organisierte die amerikanische Besatzungsmacht die Wehr neu. Zunächst durfte sie nur eine Mannschaftsstärke von 15 Mann aufweisen. Am 17. Februar 1946 fand erstmals wieder eine Übung statt mit einer Stärke von 21 Mann. Nachdem das neue LF8 in den letzten Kriegstagen ausgebrannt war, musste mit wenigen Geräten der Brandschutz der Stadt sichergestellt werden. Eine große Hilfe war dabei das Tanklöschfahrzeug (TLF25), das nach dem Krieg aus Wehrmachtsbeständen beschafft wurde. Im Laufe der folgenden Jahrzehnte musste sich die Lohrer Wehr nach den Erfordernissen eines modernen Brand- und Katastrophenschutzes richten. Auswirkungen davon waren die Modernisierung und Erweiterung des Fahrzeugbestandes und der feuerwehrtechnischen Ausrüstung. So beschaffte 1962 der damalige Landkreis Lohr ein neues Tanklöschfahrzeug (TLF1 6) von Magirus Deutz und stationierte es bei der Feuerwehr Lohr. Damit war der erste Schritt zu einer Stützpunktfeuerwehr getan, deren Aufgaben weit über die Stadtgrenzen Lohrs hinausreichen.

Die Stadtverwaltung entschloss sich 1964 zum Kauf einer 18-Meter-Magirus-Drehleiter, um Personen aus oberen Stockwerken retten zu können, wenn sie vom Feuer eingeschlossen sind. Die Besonderheit bei diesem Fahrzeug war, dass es in dieser Ausführung nur in einer sehr geringen Stückzahl ausgeliefert wurde. Drehleitern dieser Größenordnung wurden normalerweise als Anhängeleitern hergestellt oder auf kleineren Fahrgestellen mit einem Führerhaus für zwei bis drei Mann aufgebaut. In Lohr entschied man sich jedoch für die Version mit dem stärkeren Fahrgestell und dem Führerhaus für sechs Mann. Das für die damalige Zeit moderne Rettungsgerät versah seinen Dienst bei der Feuerwehr Lohr bis ins Jahr 1990.
Rechtzeitig zum l25jährigen Gründungsfest wurde es durch eine den heutigen Erfordernissen entsprechende Drehleiter mit Rettungskorb abgelöst.

Dass auf die Feuerwehr neben dem Brandschutz noch andere Aufgaben zukommen, zeichnete sich in Lohr 1967 durch die lndienststellung eines Ölschadensanhängers (ÖSA) ab. Die Geräte dieses Anhängers dienen dazu, nach Unglücksfällen zu verhindern, dass etwaige auslaufende Flüssigkeiten in die Kanalisation oder das Erdreich gelangen können. Die Feuerwehr praktizierte also schon damals Umweltschutz.

In den 70er Jahren wurde deutlich, dass die fest in den Häusern der Feuerwehrleute installierten Alarmglocken nicht mehr zeitgemäß waren. Die meisten Wehrleute arbeiteten nicht mehr als Handwerker im eigenen Betrieb, sondern verdienten ihren Lebensunterhalt in der Industrie. Wenn die Alarmglocke ertönte, waren sie also selten zu Hause. Auch die arbeitsfreie Zeit verbrachten sie immer weniger in den eigenen Wänden, da das Freizeitangebot und die Mobilität wuchsen.

Das Alarmierungsproblem wurde 1975 gelöst, als im Landkreis Main-Spessart die Funkalarmierung eingeführt wurde. Die Feuerwehrleute der Stützpunktwehren wurden mit Taschenalarmempfängern ausgerüstet, die die Polizei über Funk auslösen kann.
Durch eine Änderung im Feuerwehrgesetz war es nötig, neben der Feuerwehr als öffentlich-rechtliche Organisation noch einen Verein zu haben. Dieser wurde im Mai 1984 gegründet.
Ein weiterer Höhepunkt in der Geschichte der Feuerwehr Lohr war der Bau der neuen Feuerwache an der Wombacher Straße. 1986 begonnen und im Oktober 1987 bezogen wurde es ein Feuerwehrhaus, das den Erfordernissen einer modernen Feuerwehr entspricht.

Hier noch ein paar Bilder