Einsatzübung Bahn

Angenommen wurde ein Szenario, bei dem ein Personenzug mit einem PKW kollidiert war. Im PKW befanden sich 4 Personen, 3 davon wurden darin eingeklemmt. Eine Person wurde aus dem PKW geschleudert und schwerstverletzt.

Der PKW selber wurde von den Gleisen geschleudert und blieb im Hang des Bahndamms, abrutschgefährdet, an einem Baumstumpf hängen.

Beim Aufprall des Zuges auf den PKW platzte dessen Tank. Durch die eingeleitete Vollbremsung des Zuges und dem damit einhergehenden Funkenflug der Zugbremsen, entzündete sich das Benzin des PKWs.

Der letzte Personenwagon blieb auf dem brennenden Gleisbereich stehen, Rauch drang in die Wagons, Passagiere verließen den Zug und zogen sich teils schwere Verbrennungen und weitere Verletzungen zu.

Eine unbekannte Anzahl von Personen waren im verrauchten Zug vermisst.

Alarmiert wurden seitens Feuerwehr Einheiten aus Lohr, Partenstein, Sackenbach, Langenprozelten und Wombach. Seitens des Rettungsdienstes waren Einheiten aus dem gesamten Bereich Main-Spessart alarmiert. Darunter auch die Verpflegungskomponente aus Kreuzwertheim.

Die Schwierigkeit dieser sehr komplexen Lage bestand darin, eine umfassende Lageerkundung durchzuführen und sich trotz des räumlichen Ausmaßes einen Überblick zu verschaffen.

Die Einsatzstelle wurde rasch in 2, im späteren Verlauf in 3 Einsatzabschnitte aufgeteilt. Der Abschnitt 1 Lag im Bereich der Brandbekämpfung und Menschenrettung am und im Zug. Geführt vom ersteintreffenden Zugführer und stellvertretenden Kommandanten Achim Kraus. Der Einsatzabschnitt 2 wurde vom Kommandanten der Feuerwehr Partenstein, Thomas Galka, geleitet und beschäftigte sich mit der Sicherung des PKWs und der Rettung der dort eingeklemmten und Verletzten. Die Feuerwehr Sackenbach, welche sich bereits am Einsatzort befand, unterstütze bei der Verletztenbetreuung und konnte dann in den Einsatzabschnitt 1 übergeben werden. Im weiteren Einsatzverlauf beschäftigten die Geretteten und Verletzten Personen aus dem Zug die Einsatzkräfte auf dem Bahndamm. Hier wurde es notwendig den Einsatzabschnitt 3 zu eröffnen, um den Abtransport der Verletzten zu koordinieren. Diesen Einsatzabschnitt leitete Michael Hübner. Ebenfalls stellvertretender Kommandant der Feuerwehr Lohr.

Einige Übungskünstlichkeiten forderten die Einsatzkräfte. So wurde angenommen das keine Löschwasserversorgung durch Hydranten möglich wäre. Die Feuerwehr Wombach baute so eine Wasserversorgung aus der Lohrbach auf. Ebenfalls wurde angenommen, dass keine Verletzten den Bahndamm hinunter gebrachte werden konnten. So sollte eine Rettung von Verletzten über eine weite Wegstrecke auf den Bahngleisen simuliert werden. Wie es zum Beispiel in unzugänglichen Gleisbereichen oder in Tunneln der Fall wäre.

Die Feuerwehr Langenprozelten wurde hierzu mit ihrem Versorgungs-LKW alarmiert. Dieser verfügt über den sogenannten Rüstsatz Bahn. Bestehend aus 2 Draisinen um Material oder Verletzte zu transportieren. Mit der Einsatzleitung des Rettungsdienstes wurde besprochen, dass alle Verletzten auf den Gleisen Richtung des ehemaligen Stadtbahnhofs in Lohr transportiert werden. Dort wurde ein Behandlungsplatz errichtet um die Verletzten zu versorgen und abzutransportieren. Da nicht alle Verletzten auf den Draisinen Platz fanden, wurden die übrigen Verletzten durch Einsatzkräfte zum Behandlungsplatz getragen. Dies war sehr anstrengend und Personalintensiv. Jedoch notwendig um die Behandlung schnell einleiten zu können.

Zum Ende der Übung überraschte uns dann noch eine Realeinsatz. Die Brandmeldeanlage in einem Seniorenheim hatte ausgelöst. Schnell wurden freie Einsatzkräfte auf die Fahrzeuge verteilt und der Halbzug, bestehend aus Kommandowagen. Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug und Drehleiter verließen prompt die Übungsstelle. Dazu wurde noch die Feuerwehr Steinbach alarmiert. Auch auf solche Lageänderungen muss schnell und effektiv reagiert werden. Den Überblick über die komplette Lage wurde im Einsatzleitwagen der Feuerwehr Lohr behalten. Mittels Lagekarten und Einsatztagebuch, wurde der gesamte Ablauf dokumentiert.

Das Feedback der eingesetzten Übungsbeobachter wurde aufgenommen und wird in den nächsten Wochen aufgearbeitet. Das Fazit vom Einsatzleiter und Kommandanten der Feuerwehr Lohr, Sebastian Mademann, fiel durchweg positiv aus. Gewonnene Erkenntnisse aus der Übung werden in die zukünftige Ausbildung einfließen.

Ein besonderer Dank gilt Herrn Tim Johanni von der Deutschen Bahn, den Verletztendarstellern von der Feuerwehr Neuhütten, Feuerwehr Karlstadt und dem Bayrischen roten Kreuz sowie der „Schmink-Truppe“ des BRK! Aber auch den Übungsbeobachtern und allen interessierten Gästen!

Im Anschluss an die Übung und nach Beendigung des Realeinsatzes wurden alle Beteiligten im Bauhof verköstigt. Der Verpflegungszug aus Kreuzwertheim hatte einen wunderbaren Eintopf gezaubert, sodass alle gestärkt in den Samstagabend gehen konnten.

Bilder: Simon Lichtinghagen (THW Lohr) und Feuerwehr Lohr